FAQ

Antworten rund um Licht- und Reibechtheit, sowie Regionalität und Umweltbewusstsein

Die natürlichen Farbtöne sind einzigartig und individuell. Kein Farbton wird wieder derselbe sein, sie unterscheiden sich nicht nur in dem Farbspektrum, sondern in sich selbst: Je nach dem Wetter, der Beschaffenheit der Pflanze, der Jahres- und Sammelzeit und dem manuellem Färben an sich, kommt es zu Farbabweichungen. Im Gegensatz zu den chemischen Farben ist dies die Besonderheit der Pflanzenfarben.

Ähnlich ist es mit der Haltbarkeit: nichts ist immer gleich oder hält für immer und gleichzeitig muss es nicht von kurzer Dauer sein. Jegliche Farben auf Textilien, die wir in Museen aus den Zeiten vor der Industrialisierung bestaunen können, sind mit Pflanzen gefärbt. Teilweise Jahrhunderte alte Teppiche zeigen uns das bewährte Färben mit Krapp, Indigo und Co. auf.

Es gibt Pflanzen, die sich eher zum Färben eignen und Pflanzen, die sich weniger eignen. Aus meiner Erfahrung färben sehr viele Pflanzen, doch welche Farben möchte ich erzielen und was möchte ich mit dem Resultat erreichen? Um zu erfahren, welche Pflanzen ich also für meine Zwecke benutze, kann ich mich belesen und an den Erfahrungen anderer orientieren oder selbst meine Erfahrungen sammeln und dabei nicht nur die Farbresultate, sondern auch die Lichtproben sowie Abriebproben dokumentieren.

Weiterhin kann ich feststellen, dass es unterschiedlichen Umgang und dementsprechend Erwartungen an die Materialien gibt: möchte ich einen Pullover stricken und später lange tragen oder wird es eine farbenfrohe Stickerei oder eine imprägnierte Tasche?

Nur weil eine Pflanze mit einem Material nicht gut zusammenkommt, kann es in einer anderen Kombination wieder hervorragend und gut haltbar sein. Die Naturfarben lehren mich nicht immer mit allem das Perfekte zu haben, aber bei genauerem Hinsehen lehren sie uns Einzigartigkeit, Natürlichkeit, Verschiedenartigkeit und auch Vergänglichkeit.

Mir ist beispielsweise die volle Farbpalette und gleichzeitig ein größtenteils praktischer Umgang mit den Dingen wichtig, sodass ich mich in der Regel eher auf die Pflanzen konzentriere, die mir beide Aspekte schenken, auch wenn ich dabei manchmal Abstriche machen muss. So gibt zum Beispiel das Indigo einen recht reib-und lichtfesten Effekt auf der Wolle, auf der Wolle-Seide und auch auf der Baumwolle. Auf der reinen Seide jedoch ist insbesondere der kräftige BlauTon eher etwas für die Sticker*innen als für die Stricker*innen, da er dazu neigt auf der Seide nicht genug reibecht zu sein. Die Mohnpflanze dagegen erzielt gerade auf der Seide so unterschiedliche und besondere Effekte, wie auf keinem anderem Material. Sie ist zwar nicht ganz lichtecht, kann aber mithilfe einer Modifikation jedoch einen sanften und einzigartigen Rosaton erzielen. So wäre es möglich bei der Seide auf das Färben mit der Koschenille zu verzichten. Bei der Wolle dagegen erziele ich mit der Mohnpflanze nicht mehr als einen Grauton. Ein sehr schönes grau, aber eben kein Rosa.

In der Welt der chemischen Farben habe ich als Kosument*in eher wenig Probleme mit der Licht- und/ oder Reibechtheit. Dafür zeigen sich jedoch die Probleme bei der Produktion und letztlich bei der Umwelt: Insgesamt 6.500 verschiedene Chemikalien sind bei der Textilveredelung im Einsatz, darunter auch Schwermetalle wie Kupfer, Arsen und Cadmium. Viele davon sind giftig, einige auch krebserregend. Die Färber*innen stehen teilweise mit nackten Beinen in den Farbwassern. Die Farbreste werden teilweise ungefiltert in die Flüsse geleitet, von denen wiederum Mensch und Tier ihre Nahrung aufnehmen.

Mein Wunsch nach der Vollständigkeit der Farbpalette komme ich nach, in dem ich einige Färbepflanzen aus Teilen der Welt beziehe, in denen ich nicht lebe und auch nicht immer nur auf Pflanzen zurückgreife (wie zum Beispiel das Indigopulver, die Koschenille-Laus, Blauholz, Alkanna u.a.). Größtenteils jedoch sammle ich die Pflanzen selbst. Dabei laufe und fahre ich stets mit offenen Augen durch die Gegend und habe oftmals eine Gartenschere im Gepäck. Dabei achte ich darauf nie alle Pflanzen abzupflücken sondern mich im Einklang der Natur zu bewegen und anderen Tieren und Insekten keine Konkurrenz zu machen sowie der Pflanze stets die Möglichkeit zu geben durch den Erhalt einiger Blüten Samen zu entwickeln um für einen Austrieb auch im nächsten Jahr zu sorgen.

Bei den Strängen biete ich stets reine Materialien, ohne chemische Zusatzstoffe, an. Rund 65 Prozent aller Textilfasern auf dem Weltmarkt sind aus synthetischen Chemiefasern, also aus Kunststoffen wie Polyester, Polyamid oder Polyacryl. Für ihre Produktion waren im Jahr 2015 98 Millionen Tonnen Öl nötig. Im Jahr 2050 sollen es 300 Millionen Tonnen sein, berichtet die Ellen Macarthur Foundation.

Ein Produkt aus meinem shop könnte mensch auch im Wald stehen lassen und es würde sich über die Zeit einfach kompostieren ohne dass der Kreis der Umwelt dabei belastet werden würde.