Krakelei – tintura naturale

Die Liebe zur Natur

Die Natur bildet die Grundlage meiner Arbeit, sie bestimmt den Rhythmus unseres Lebens.

Im Kreislauf der Jahres- und Tageszeiten gibt uns der Stand der Sonne Orientierung, ändern sich unsere körperlichen und seelischen Bedürfnisse je nach Saison: Tiere, Insekten und Pflanzen verhalten sich innerhalb der natürlichen Uhr wie miteinander abgesprochen im Ausgleich zueinander – alle wissen, wenn die nächste Jahreszeit beginnt, jedes Lebewesen hat seine Aufgabe und seinen Sinn: Das ist die Vielfalt der Natur und die natürliche Ausgewogenheit, neben- und miteinander in aller Verschiedenartigkeit leben zu können.

Wir können von der Natur lernen, dass alles stets im Wandel ist. Die Natur lehrt uns, im Hier und Jetzt zu leben und den Augenblick zu genießen: Heute die Blume beim Wachsen bestaunen und sie morgen verblühen sehen und dabei ihre Einzigartigkeit erkennen.

Die Industrialisierung liegt weit hinter uns, wir sind im digitalen Zeitalter angekommen: Gerade jetzt braucht es die Erinnerung, dass aller Ursprung in der Natur liegt,statt im Supermarkt-Regal.

Es gilt, die Natur mit Respekt zu behandeln und nur das zu nehmen, was es wirklich braucht ohne Überfluss oder Monokultur, denn so können alle miteinander bestehen.

Der Obstbaum, der mir das Obst im Herbst schenkt – im Frühjahr kann er beschnitten werden und Holz für den Winter geben, Rinde zum Färben, Stöckchen für den Kompost und für Kleintiere. Die Kleintiere arbeiten für den Kompost und werden wieder von Großtieren gefressen.

Innerhalb dieses Kreislaufes der Natur arbeite ich und entleihe mir die Rohstoffe um bewußt und handgemacht mit der Natur zu färben.

Farben der Natur entdecken

Toben die Kinder auf dem Rasen, färben sich die Hosen grün. Schneide ich die rote Beete, werden meine Hände rot, und fällt der Regentropfen gegen die Sonne, entspringt ein Regenbogen. Die Natur ist voller Farben, manchmal so versteckt, das man sie erst entdecken muss – und das lohnt sich:.

Der Obstbaum scheint im Winter karg, doch die Wurzeln sind voller Farben. Im Frühjahr finde ich sie in der Rinde, im Sommer in den Blättern und im Herbst in ihren Früchten. Grüne Blätter schenken oftmals ein schönes Gelb. Die Krapppflanze, eine so scheinbar einfache grüne, sich anklettende Feld-/Waldpflanze hat eine starke rote Wurzel und aus ihren grünen Indigoblättern kann mit ein paar Tricks ein Blau gewonnen.

Jegliche Farbe ist abhängig von den Jahreszeiten und der Beschaffenheit der jeweiligen Pflanze:. Werden die Blätter im April, Juni oder August gepflückt, so unterscheidet sich dies vom Farbresultat.

In einem ehemaligen Hühnerhaus haben wir einen kreativer Raum geschaffen, der Tradition und Handwerk verbindet. Die Werkstatt ist ein Ort, an dem Farben lebendig werden und Materialien im Einklang mit der Natur verwandelt werden.

Das Herzstück der Färbewerkstatt befindet sich hier draußen. Das Färben im Freien ist nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern ein wesentlicher Teil des künstlerischen Prozesses. Die frische Luft, das natürliche Licht und die Verbindung zur Umgebung schenken eine Aura von Lebendigkeit und Natürlichkeit. Das Farbenspiel mit natürlichen Stoffen wird zu einem intensiven Erlebnis: Der Duft von Kräutern und Erde mischt sich mit dem Geräusch des kleinen Tümpels und dem sanften Rauschen des Windes in den Bäumen. Für mich, die ich hier arbeite oder Menschen, die Kurse besuchen, ist das Färben im Freien ein Moment der Ruhe und der tiefen Verbundenheit mit dem Ort und den Materialien. Dazu braucht es lediglich die Kochstellen, die Töpfe, das Wasser und die Natur drum herum.

Nachhaltigkeit und Regionalität

Ein zentrales Anliegen der Färberwerkstatt ist die Förderung von Nachhaltigkeit und regionalem Bezug. Viele der verwendeten Pflanzen stammen aus dem direkten Umfeld, was den ökologischen Fußabdruck minimiert und gleichzeitig eine tiefe Verwurzelung mit der Landschaft schafft. Durch das bewusste Arbeiten mit natürlichen Materialien wird ein Beitrag zum Erhalt traditioneller Handwerkstechniken geleistet und zugleich gezeigt, dass Kreativität und Umweltbewusstsein Hand in Hand gehen können.

Die Werkstatt im Haus – Raum für Nacharbeit und kreative Techniken

Nach dem Färben draußen finden die Textilien,Wolle und Seide ihren Weg in das Haus. Hier werden die Stoffe, wenn nötig, nachgetrocknet, weiterverarbeitet und veredelt. Besonders wichtig ist die Siebdruckwerkstatt, die den Textilien zusätzliche gestalterische Möglichkeiten eröffnet. Durch den Siebdruck lassen sich filigrane Muster, botanische Motive oder abstrakte Formen auf die gerade gefärbten Stoffe bringen und harmonisch mit den natürlichen Farbverläufen kombinieren.

Im Haus befinden sich außerdem Nähmaschinen, die es erlauben, die gefärbten Stoffe direkt in textile Kunstwerke, Kleidungsstücke oder Assesoirs und Taschen zu verwandeln. So entsteht ein ganzheitlicher kreativer Prozess. Die Kombination aus traditionellem Färben, modernem Siebdruck und handwerklichem Nähen macht die Werkstatt zu einem vielseitigen Zentrum des kreativen Schaffens.